Würenlos
13.03.2019

«Ich hoffe, mein Humor kommt an»

Die Würenloserin <em>Anastasia Gräni hat ihr erstes eigenes Musical geschrieben. Barbara Scherer</em>

Die Würenloserin Anastasia Gräni hat ihr erstes eigenes Musical geschrieben. Barbara Scherer

Die Würenloserin Anastasia Gräni (50) hat das Musical «No nöd ganz 100» geschrieben.

Barbara Scherer

Griffbereit liegen die Flyer auf der Kommode neben der Eingangstür. Anastasia Gräni schnappt sich das oberste Blatt und geht in die Küche damit. Sie setzt sich an den Tisch und betrachtet das bunte Papier: Die Würenloserin ist sichtlich stolz. «No nöd ganz 100» heisst das Musical, das die 50-Jährige selbst geschrieben hat. Jetzt kommt es Ende März auf die Bühne in Wohlen.

Begonnen hat alles vor zwei Jahren, als Anastasia Gräni das Präsidium des Musicalvereins Mutschellen übernahm. «Ich suchte ein neues Musicalstück und wurde nicht fündig», sagt Gräni und streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Das Problem: Die meisten Stücke sind für etwa zehn Schauspieler geschrieben. Doch der Musicalverein zählt 18 Mitglieder. Deshalb musste ein Stück her, das zu einer grossen Besetzung passt. «Ein Vereinsmitglied hatte bereits einige Jahre zuvor ein Stück für uns geschrieben, da dachte ich mir, das kann ich auch.» Anastasia Gräni beginnt zu lachen. Es ist ein helles Lachen, das ansteckt.

Die Entscheidung war gefallen, Anastasia Gräni wollte ein Musical schreiben. «Zuerst haben wir ein Kreativteam gebildet und Ideen gesammelt.»

Inspiriert vom Austausch entstand schliesslich die Idee für eine Geschichte: Ein Sohn zieht mit seinem Freund zu seiner alten Mutter zurück. Um etwas Geld zu verdienen, überredet er diese, die leeren Zimmer im Haus an Senioren zu vermieten.

Also zieht ein bunt zusammengewürfelter Haufen Rentner schliesslich ein, bis ein unerwartetes Ereignis die Bewohner veranlasst, ihren bisherigen Lebensstil zu überdenken. «Es ist eine Komödie, die berühren soll», sagt Gräni.

Rund ein halbes Jahr tüftelte sie an der Geschichte: Viel Zeit hat das Schreiben die Würenloserin gekostet. «Ich arbeite Teilzeit als Schulverwalterin und Lehrerin und konnte an meinen freien Tagen weiterschreiben», sagt Gräni und fügt mit einem Lächeln an: «Aber oft bin ich auch mitten in der Nacht aufgestanden, um zu schreiben.»

Den beiden Kindern im Teenageralter habe ihre Abwesenheit zum Glück wenig ausgemacht. «Mir ist schon aufgefallen, dass sie immer wieder verschwunden ist, um am Stück zu schreiben», sagt Ehemann Walter Gräni.

Anastasia Gräni blickt ihren Mann an und lächelt: Er sei abgehärtet. «So schlimm war es gar nicht und ich bin überzeugt, es hat sich gelohnt: Das wird ein super Musical», sagt Walter Gräni und nickt seiner Frau wissend zu. Er werde das Stück sicher zweimal besuchen.

«Ich hoffe, mein Humor kommt auch gut bei den Besuchern an», sagt Anastasia Gräni nachdenklich. Während der Proben müsse sie immer wieder schmunzeln über ihre eigenen Ideen: «Manchmal staune ich, was mir für schräge Dialoge eingefallen sind.»

Anastasia Gräni hat nicht nur das Musical geschrieben, sie übernimmt auch eine Rolle darin. «Ich habe schon als Kind sehr gerne geschauspielert und gesungen.»

Anfang zwanzig habe sie dann angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen, und später war sie einige Jahre Teil einer Band. «Dort habe ich gemerkt, dass ich gerne auf der Bühne stehe.»

Seither ist Anastasia Gräni nicht mehr von der Bühne gestiegen. Sie hat in mehreren Musicals und Theatern gespielt und ist seit über zehn Jahren Mitglied im Musicalverein Mutschellen.

Mit ihrem ersten Musical ist die Würenloserin zufrieden. Obwohl es viel Zeit beansprucht habe, hat ihr das Schreiben grossen Spass bereitet. «Ich könnte mir auch vorstellen, wieder ein Stück zu schreiben», sagt Gräni und blickt stolz auf den Flyer vor ihr auf dem Tisch.

Infos unter: www.musicalverein.ch.