Limmattal
12.01.2022

«In Krisenzeiten ist ein regionales Kulturangebot wichtig»

Christoph Doswald ist Präsident der Stiftung Kulturweg Limmat. Hier weihte er ein Werk beim Stausee ein. (Bild: zVg/Urs Dätwiler)

Christoph Doswald ist Präsident der Stiftung Kulturweg Limmat. Hier weihte er ein Werk beim Stausee ein. (Bild: zVg/Urs Dätwiler)

Das neue Projekt «Art Flow» der Regionalen Projektschau verbindet das Limmattal mit Kunstprojekten. Die künstlerische Leitung übernimmt Christoph Doswald. Der Kurator ist in Wettingen und Baden aufgewachsen. Er erzählt von seiner Beziehung zur Region und weshalb ihn das Projekt so reizt.

Von: Sibylle Egloff

Sie kuratierten Ausstellungen in diversen Metropolen der Welt und realisierten als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich rund 400 Projekte – darunter etwa «Art and the City» oder «Zürich Transit Maritim», welches 2014 für den beim Zürcher Rathaus aufgestellten Hafenkran bekannt wurde. Warum zieht es Sie nun mit «Art Flow» in die Agglomeration ins Limmattal? Christoph Doswald: Die Idee stammt vom Hochbaudepartement der Stadt Zürich, welches «Art Flow» als Projektidee bei der Regionalen Projektschau (kurz Regionale 2025) eingereicht hatte. Der Zürcher Stadtrat und Hochbauvorsteher André Odermatt fragte mich vor zweieinhalb Jahren, ob ich mir nicht vorstellen könnte, ein Projekt wie «Art and the City» auf die Beine zu stellen – dieses Mal aber nicht für Zürich, sondern fürs Limmattal zwischen dem Zürcher Bellevue und dem Wasserschloss bei Brugg. Es reizte mich, dieses Projekt nochmals auf einer grösseren Ebene umzusetzen und zu denken. Deshalb sagte ich zu. Aber auch, weil mit «Art Flow» das Format Ausstellung im öffentlichen Raum neu definiert wird. Das Projekt endet nicht an einem bestimmten Datum, sondern wächst während dreier Jahre stets weiter. Im Idealfall beginnen wir Ende 2022, die ersten Kunstwerke zu präsentieren. Und hoffentlich bleiben auch nach 2025 einige Werke bestehen.

Sie haben Ihre Kindheit und Jugend in Wettingen und Baden verbracht. Haben Sie auch zugesagt, weil das Limmattal Ihre Heimat ist? Das ist natürlich auch ein Grund, warum mir das Projekt gefällt. Gut ist auch, dass ich schon lange nicht mehr im Limmattal wohne, viele Jahre weg und im Ausland war und so eine andere Perspektive auf die alte Heimat habe. Dinge, welche Einheimische als selbstverständlich betrachten oder gar nicht wahrnehmen, erkenne ich beispielsweise als Qualität und kann diese mithilfe von «Art Flow» hervorheben und so dazu beitragen, dass sie wieder oder neu gesehen werden. Gleichzeitig wird es auch für mich eine Entdeckungsreise werden. Ich kann etwas, das ich kenne, neu kneten.

Fühlen Sie sich noch verbunden mit Wettingen und Baden? Ja, meine Mutter lebt noch immer in Wettingen, meine Geschwister und auch einige Freunde wohnen in der Region. Ich bin regelmässig hier und habe viele schöne Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend. Ich bin im Tägerhard-Quartier in Wettingen aufgewachsen. Ich habe Landhockey gespielt, Wettingen ist ja die Hockey-Hochburg der Schweiz. Während meiner Studienzeit war ich Trainer und habe einige Junioren-Mannschaften ausgebildet. Ich erinnere mich auch an meine Zeit als Ministrant in der Wettinger Klosterkirche, als ich die Kirchenglocken läuten durfte. In Baden habe ich Mitte der 1980er-Jahre im Meierhofquartier im Haus meiner Grossmutter gewohnt und dort mit meinem Kollegen Paolo Bianchi im «Off Space» Kunstprojekte ausgestellt. Es war schön, in einer Region aufzuwachsen, die nationale und internationale Ausstrahlungskraft hat. Baden mit den Bädern, der BBC und der Tagsatzung ist eine Weltstadt und auch Wettingen hat in Sachen Geschichte und Kultur mit dem Kloster und der alten Spinnerei einiges zu bieten. Es ist nur schade, dass lange Zeit das kulturelle Erbe zu wenig geschätzt wurde. Es dauerte, bis die Industriebauten wie etwa die Trafohalle neu genutzt wurden. Und es mussten Leute aus Zürich kommen, um die Räume der alten Spinnerei in Wettingen in Ateliers und Kulturzentren zu verwandeln. Diese Beispiele zeigen, dass es Impulse von aussen braucht.

Sie bringen nun also die Impulse von aussen, um das Limmattal künstlerisch neu zu beleben. Oder wie würden Sie Ihre Aufgabe als künstlerischer Leiter von «Art Flow» bezeichnen? Ein Kurator ist wie ein guter Trainer. Er sucht die richtigen Spielerinnen und Spieler und formt ein Team, das zusammenpasst. Wenn die Mischung stimmt, entsteht ein gutes Projekt. Die nächsten Monate werden wir damit beschäftigt sein, den Verein «Art Flow» zu gründen und eine Geschäftsleitung einzustellen. Wir werden viele Gespräche führen, um gute Leute ins Boot zu holen. Ich bin froh, dass der Zürcher Stadtrat dem Projekt Ende 2021 2 Millionen Franken zugesichert hat. Das Geld ist nun da und wir können endlich loslegen.

Insgesamt soll «Art Flow» rund 4,4 Millionen Franken kosten. Die beiden Kantone und die sich beteiligenden Gemeinden sowie Stiftungen und Sponsoren werden dafür aufkommen. Ist der Betrag nicht sehr hoch? Nein, es scheint nach viel Geld auszusehen. Doch wichtig ist, die Relation zur gossen Arbeit zu sehen, die dahintersteckt. Die Künstlerinnen und Künstler müssen hierherkommen, sich einen Standort suchen, ein Thema erarbeiten, ein Werk produzieren, es transportieren und aufstellen. Wir bezahlen sie dafür, sie sind professionelle Künstler und leben davon. Zudem muss abgeklärt werden, ob die Ideen überhaupt umsetzbar sind aus sicherheitstechnischen, statischen und ökologischen Gründen. Für jedes Projekt benötigen wir eine Baubewilligung. Man kann diese speziell entwickelten Kunstwerke nicht mit fixfertigen Bildern vergleichen, die in einem Museum an die Wand gehängt werden.

Was können die Menschen von «Art Flow» erwarten? Zum aktuellen Zeitpunkt kann ich noch wenig über die Ausstellung verraten. Sicher ist, dass in jeder beteiligten Gemeinde mindestens ein Kunstwerk stehen oder eine Performance zu sehen sein wird. Das kann an der Limmat, aber auch auf dem Sulperg, dem Rüsler oder an der Lägern sein. Auch Rechercheprojekte oder Dokumentationen sind denkbar. Es geht darum, dass die Menschen aus der Region und von auswärts das Limmattal mithilfe der Kunst neu entdecken können. Weil «Art Flow» eine öffentliche Ausstellung ist, kommt es zu zufälligen Begegnungen, die Reaktionen und Diskussionen auslösen. Die Kunstwerke leisten somit einen Beitrag, dass die Gesellschaft lebendig bleibt.

In Zeiten der Pandemie kann das auch Halt geben. Genau. Wir haben gemerkt, wie wichtig ein regionales kulturelles Angebot in Krisenzeiten ist. Wegen Corona ist es schwierig geworden für Ausstellungen nach Paris, Berlin oder New York zu reisen. Es ist Zeit, dass man die Dinge vor der Haustüre wiederentdeckt und wertschätzt.

Zur Person

Christoph Doswald ist 1961 geboren und in Wettingen und Baden aufgewachsen. Er studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Zürich. Seine publizistische Tätigkeit zu Themen und Ausstellungen der Gegenwartskunst begann er Mitte der 1980er-Jahre. Gleichzeitig betrieb er mit seinem Kollegen Paolo Bianchi in der gemeinsamen WG in Baden einen Raum für Kunstprojekte namens «Off Space». Doswald kuratierte Ausstellungen, Biennalen und Festivals rund um die Welt, unter anderem im Kunsthaus Graz, in der Villa Arson in Nizza, im Kunstmuseum Bern oder in der Akademie der Künste in Berlin. Doswald war überdies von 2002 bis 2008 Ressortleiter für Gesellschaftsthemen bei der «Sonntags-Zeitung». Von 2009 bis 2020 war er zudem Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich und realisierte rund 400 Projekte, darunter auch den bekannten Hafenkran beim Zürcher Rathaus im Rahmen des Projekts «Zürich Transit Maritim».

Der Hochschuldozent engagiert sich seit 2012 im Vorstand von visarte.schweiz, dem nationalen Berufsverband der visuell schaffenden Künstler in der Schweiz. Seit 2016 engagiert er sich als Präsident der Stiftung Kulturweg Limmat. Er lebt mit seiner Partnerin, der deutschen Kuratorin und Kunsthistorikerin Dorothea Strauss, in der Nähe von Zürich. (sib)

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