07.02.2014

Leben im Rampenlicht

Anneliese Romanelli-Egger. Foto: zVg

Anneliese Romanelli-Egger. Foto: zVg

Anneliese Romanelli-Egger, geb. 1930, verstand es vortrefflich, die grosse Zahl der Anwesenden am Träff 55 plus in ihren Bann zu ziehen beim Erzählen ihrer Erinnerungen aus ihrem Leben.

Unter dem Namen Anneliese Egger stand Anneliese Romanelli-Egger auf der Bühne. Unter diesem Namen findet man sie auch im Vorspann vieler alter Filme. Aufgewachsen in Bern, übte sie schon früh zusammen mit ihrem Bruder Zirkusvorstellungen zu Hause. In der Schule liebte sie die Dramaturgie im Aufsagen von Gedichten und Balladen. Bald durfte sie im Stadttheater Bern als Statistin auf die Bühne. Fritz Kortner, berühmter Schauspieler und Regisseur, bestärkte sie in ihrem Entschluss, Schauspielerin zu werden. Die Eltern verlangten jedoch vorerst den Abschluss der Töchter-Handelsschule. Nebenbei besuchte sie die Abendkurse der Schauspielschule am Konservatorium für Musik, die von Margarete Schell, Mutter von Maria und Maximilian Schell, geleitet wurde, sowie Vorlesungen an der Uni für Theaterwissenschaft.

Bei der Studentenbühne im Kellertheater in Bern spielte sie in vielen modernen Theaterstücken, die heute teils Klassiker geworden sind. Nun durfte sie auch ganztags in die Schauspielschule und beendete diese mit Diplom und Auszeichnung. In Zürich absolvierte sie die eidgenössische Prüfung für Schauspiel. In der Jury befand sich auch der damalige Schauspielhausdirektor Oskar Wälterlin. Er engagierte sie für drei Jahre am Schauspielhaus in Zürich, nachdem sie bei ihrem Vorsprechen die Liebesszene aus «Helden» von Bernard Shaw zeigte und dabei sowohl die Rolle der Bauernmagd Louka als auch die des Liebhabers spielte, da kein Mann zur Verfügung stand. Sie durfte bei Ellen Widmann wohnen. Es sei eine sehr bereichernde Zeit gewesen, waren doch die besten Schauspieler und Regisseure am Schauspielhaus tätig, so etwa Käthe Gold, Gustav Knuth, Therese Giehse und viele mehr.

Mit Fred Tanner spielte sie in «Das Tagebuch der Anne Frank», das zwei Jahre lang auf dem Spielplan stand. Dürrenmatts Stücke wurden alle gespielt. Es folgten Engagements am Stadttheater Basel und in Heidelberg. Berlin musste sie leider absagen, da die MS-Erkrankung ihrer Mutter sich sehr verschlechtert hatte und sie zurück nach Bern nach Hause gerufen wurde.

Nach einigen grossen Rollen in Bern und Hörspielen am Radio war ihre Karriere nach der Heirat mit ihrem Mann Mario jäh zu Ende. Die mehrjährigen Aufenthalte auf Montage mit ihm in der ganzen Welt entschädigten sie dafür.

Zum Film kam Anneliese Romanelli, als Franz Schnyder in Burgdorf einen Gotthelf-Film drehte. Zusammen mit Linda Geiser spielte Romanelli die zweite Magd in «Ueli der Knecht». Sie spielte anschliessend in fast jedem Schnyder-Film mit. In «Es geschah am helllichten Tag» – einem Film unter Ladislao Vajda – spielte sie mit Heinz Rühmann zusammen.

1980 brach nach einem Jekami-Abend mit dem Kulturkreis die Theaterbegeisterung in Würenlos aus. Unter der Regie von Anneliese Romanelli wurden in der Folge insgesamt sechs Theaterstücke aufgeführt, die rundum auf ein grosses Echo stiessen. «Es war eine Freude und eine sehr schöne Zeit», so schloss Anneliese Roma-nelli ihren Bericht. Mit lang anhaltendem Applaus bezeugte ihr die Zuhörerschaft die gebührende Ehre und Dankbarkeit für ihre grossen Verdienste. (azi)