Wettingen
17.01.2018

Er lebt für schicke Mode und gute Partys

Stelios Sterkoudis liebt nicht nur Mode, er ist auch ein richtiger Nachtschwärmer. (Barbara Scherer)Die Brüder Seigi und Stelios Sterkoudis. (AZ-Archiv)

Stelios Sterkoudis liebt nicht nur Mode, er ist auch ein richtiger Nachtschwärmer. (Barbara Scherer)

Die Brüder Seigi und Stelios Sterkoudis. (AZ-Archiv)

Der Wettinger Stelios Sterkoudis leitet ein Modegeschäft, organisiert Partys und führt ein bekanntes Zürcher Restaurant.

Barbara scherer

Der TCM in Zürich-Glattpark wirkt ausgestorben: Es ist Mittagspause. Stelios Sterkoudis kommt mit einem Lächeln im Gesicht um die Ecke. In seiner Hand rascheln die Schlüssel für den Showroom von «Scotch & Soda». Der gebürtige Aargauer mit griechischen Wurzeln ist Geschäftsführer und Vertreiber der holländischen Marke.

Mit einer Handbewegung zeigt er auf den Aschenbecher neben dem Eingang: In seinem Büro dürfen Kunden und Angestellte noch rauchen. Er selbst habe aber vor einem Jahr damit aufgehört – auf Wunsch seiner Tochter.

Ihr zuliebe hat Sterkoudis die Weihnachtszeit auch in den Bergen und nicht wie geplant am Meer verbracht. «Im Süden gibt es mehr Sonne, da kann ich einfach besser auftanken», sagt Sterkoudis, der seit 20 Jahren in Wettingen wohnt.

Er streicht sich die langen blonden Haare aus dem Gesicht und lächelt. Früher wollte er auf keinen Fall in dem grössten Aargauer Dorf wohnen. «Ich dachte immer, das ist ein Kaff.» Doch schon als Kind zog es ihn für das Fussballtraining nach Wettingen.

Im Taxi auf die Welt gekommen

Aufgewachsen ist Stelios Sterkoudis aber in Windisch bei Brugg. «Mein Vater hat den Zug nach Norddeutschland verpasst und ist in Brugg ausgestiegen und geblieben.» Stelios Sterkoudis verzieht das Gesicht und fasst sich an die Stirn. «Das muss man sich mal vorstellen.»

Vom ersten Geld kaufte sich sein Vater eine Vespa und holte so die Mutter von Griechenland in die Schweiz. Bald darauf wurde Stelios Sterkoudis geboren: «Im Taxi auf dem Weg ins Spital.» Er schmunzelt. Darum sei er wohl so zappelig.

Die Eltern führten eine Modeboutique in Brugg. Doch weil das Geld anfangs sehr knapp war, schickten sie ihren Sohn für fünf Jahre zu den Grosseltern nach Griechenland. Wieder zurück in der Schweiz, wurde Stelios’ Bruder Seigi geboren. Von da an waren die Sterkoudis-Brüder unzertrennlich.

Als begeisterter Nachtschwärmer sorgte Stelios Sterkoudis schon früh dafür, dass auch Seigi in jeden Club reinkam. Das führte dazu, dass die Brüder langsam ins Nachtleben rutschten und erste Partys organisierten.

Ohne Lehrabschluss zum Unternehmer

Während der Bruder seine eigene Bar aufbaute, zog es Stelios Sterkoudis aber in die Modebranche. Ohne Lehrabschluss konnte er bei dem Schweizer Label Leonardo anfangen. «Der damalige Geschäftsinhaber liess mich machen und die Mode fing an, mir zu gefallen.»

So arbeitete sich der Wettinger hoch und ist heute Mitinhaber von Leonardo. Denn Loyalität schreibt Stelios Sterkoudis gross. Dank dieser Einstellung hat es der Grieche wohl auch zu seinem Erfolg geschafft. So hat Sterkoudis trotz seiner Liebe zur Mode weiterhin gerne gefeiert.

Als Dankeschön für seine Hochzeitsgäste, die extra nach Griechenland gereist waren, organisierte er ein Fest: Daraus entstand «Die Mykonos-Party». Diese findet einmal im Jahr statt und ist so beliebt, dass sie innerhalb kürzester Zeit ausverkauft ist.

Weil diese immer im Zürcher Club «Kaufleuten» stattfand, wurde der ehemalige Restaurantführer auf die Sterkoudis-Brüder aufmerksam. Vor zwei Jahren konnten die beiden, ohne Erfahrung im Foodbereich, das «Kaufleuten»-Restaurant übernehmen. «Und es läuft super», so Stelios Sterkoudis und lächelt verschmitzt.

Der Chef muss verzichten können

Finanziell geht es dem Wettinger nicht schlecht, aber: «Ich mache die vielen Jobs nicht des Geldes wegen, sondern weil ich es gerne mache.» Als Unternehmer habe er nach der Eurokrise auch niemanden entlassen und keine Löhne gekürzt. Sein Gesicht wird ernst: Trotz Gewinn Mitarbeiter auf die Strasse zu stellen, empfinde er als ein Verbrechen.

Stattdessen hat er lieber selber zurückgesteckt. «Als Chef muss ich verzichten können.» Sein Handy klingelt, Stelios Sterkoudis lächelt: die Fifa-Chefetage. «Jemand will bestimmt einen Tisch im ‹Kaufleuten› reservieren.»