Wettingen
10.01.2018

Vom Hobbysportler zum höchsten Wettinger

Hansjörg Huser ist zwar kein Fan von öffentlichen Bänkli, aber seine Gartenbank aus Klosters mag er sehr. Barbara Scherer

Hansjörg Huser ist zwar kein Fan von öffentlichen Bänkli, aber seine Gartenbank aus Klosters mag er sehr. Barbara Scherer

Hansjörg Huser (SVP) soll der neue Einwohnerratspräsident werden: Er interessiert sich vor allem für die wichtigen Geschäfte. Diskussionen zu öffentlichen Sitzbänkli nerven ihn eher.

Barbara Scherer

Im Garten stehen noch zwei Leucht-Rentiere: ein Überbleibsel der Festtage. Etwas Licht in der dunklen Jahreszeit, das müsse sein, so Hansjörg Huser. Der 57-Jährige stellt sich an der nächsten Einwohnerratssitzung zur Wahl für den Posten des Einwohnerratspräsidenten.

Nach zwei Jahren als Vizepräsident ist es üblich, das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Doch es wird sein letztes politisches Amt sein. «Danach werde ich aus dem Einwohnerrat austreten», sagt Huser. Zehn beziehungsweise zwölf Jahre im Rat seien genug. «Dann müssen jüngere Kräfte in den Rat.»

Erst spät interessierte er sich für die Regionalpolitik 

Huser nimmt in der Stube Platz und faltet die Hände vor sich auf dem Tisch. In die Politik ist der gebürtige Wettinger hineingerutscht: Seinem Bruder, Daniel Huser, ehemaligem Gemeinderat, zuliebe habe er sich auf der SVP-Liste eintragen lassen.

Zuvor hatte der Banker nur wenig mit der regionalen Politik zu tun: Jahrelang arbeitete Huser auf einer Bank in Zürich. Erst als er seine Stelle wechselte und zur UBS in Baden kam, war sein Interesse für die Lokalpolitik geweckt.

Prompt wurde Hansjörg Huser in den Einwohnerrat gewählt. «Ich mache Politik, um meinen Beitrag an der Gemeinde zu leisten.» Denn Wettingen sei seine Heimat. Ausser während einem Jahr, das Huser geschäftlich in den USA verbrachte, hat der Banker immer im Aargauer Dorf gelebt. Nun zum höchsten Wettinger gewählt zu werden, ist eine Ehre für Huser.

Dabei sei Politik nie das Wichtigste in seinem Leben gewesen. Huser hatte immer Zeit für Arbeit, Sport und Familie. Schliesslich schwang er bereits als Sechsjähriger den Tennisschläger. Als Teenager verschlug es Huser zusätzlich noch in den Handballverein, wo er bis 30 blieb. Aufgrund einer Verletzung trieb es den Hobbysportler wieder zurück zum Tennis.

Heute spielt Huser zusammen mit seiner Frau Golf. «Wir machen auch ein- bis zweimal im Jahr Golfferien», sagt Huser und lehnt sich zurück. Schnell ist klar, Sport ist ein wichtiger Teil von Husers Leben.

Auch für seine Familie hatte Huser stets Zeit: Seine politischen Aufgaben sorgten nie für Konflikte zu Hause. Seine Frau sei ebenfalls bei der Ortsbürgergemeinde engagiert und die Kinder seit einer Weile nicht mehr zu Hause.

Ein harmonischer Teamplayer

Harmonie ist Huser wichtig. Nicht nur zu Hause, sondern auch im Einwohnerrat. «Natürlich darf es hitzige Diskussionen geben, aber es muss unter dem Strich harmonisch bleiben; nur so funktionierts.»

Während Huser spricht, wird er nie laut. Er sei eher ein Teamplayer. Trotzdem kann er zu seiner eigenen Meinung stehen. So richtet sich Huser nicht stur nach der Parteilinie. «Wenn eine Idee gut ist, dann ist es mir egal, von wem sie ist.»

Er wolle Sachpolitik betreiben. Deshalb möchte er die Einwohnerratssitzungen gerne effizienter gestalten. So ist Huser kein Fan von Diskussionen über Bleistifte an einer Budgetsitzung.

«Ich interessiere mich für die matchentscheidenden Geschäfte bezüglich der Verschuldung.» Auch die Diskussionen über Bänkli in den Aufenthaltsbereichen nerven Huser. «Ich finde, es braucht nicht überall Sitzbänke, auf denen dann niemand sitzt.»

Trotzdem steht in seinem Garten eine Holzbank aus Klosters. «Die mag ich», hält Huser mit einem Schmunzeln fest. Die Bündner Gemeinde sei seine zweite Heimat. Dort tankt Huser Energie für die bevorstehenden Einwohnerratssitzungen.