Wettingen
11.07.2018

Die Klinik Sonnenblick soll erneut schliessen

Die Klinik Sonnenblick<em> ist seit sechs Jahren eine Pflegestation des Regionalen Pflegezentrums Baden. (AZ Archiv)

Die Klinik Sonnenblick ist seit sechs Jahren eine Pflegestation des Regionalen Pflegezentrums Baden. (AZ Archiv)

Die Klinik Sonnenblick ist Teil des Regionalen Pflegezentrums Baden. Doch die ehemalige Wettinger Klinik ist überflüssig geworden.

Dieter Minder

2010 ging die Klinik Sonnenblick Konkurs und musste geschlossen werden. Nur zwei Jahre später eröffnete der Sonnenblick wieder, als Pflegestation des Regionalen Pflegezentrums Baden (RPB). Doch nun scheint es, dass diese Ära zu Ende geht: Erneut steht eine Schliessung bevor. Das RPB wird sich in spätestens fünf Jahren vom Lägernhang zurückziehen. Wie die Zukunft des Sonnenblicks aussieht, ist noch offen.

Die Klinik Sonnenblick war einst das Geburtshaus, nicht nur für Wettingen, sondern weit darüber hinaus. Tausende von Kindern haben am sonnigen Lägernhang das Licht der Welt erblickt und wurden hier von ihren Eltern liebevoll in die Arme genommen. Doch die letzten Jahre waren vom kontinuierlichen Niedergang geprägt. Trotz mehreren Versuchen gelang es dem Trägerverein nicht, genügend gut zahlende Patienten zu finden.

Als letzter Rettungsversuch wurde eine Aktiengesellschaft gegründet. Fachleute im Verwaltungsrat und als Direktor ein Unternehmensberater aus Zug sollten dem Sonnenblick neuen Glanz bringen. Es wurde aber nichts daraus: Am 28. Mai 2010 wurde die Klinik geschlossen. Anreisende Patienten und das Personal wurden von diesem Entscheid überrascht. Der Direktor fand keine Zeit, sich vom Personal zu verabschieden. Es kam zum Konkurs.

Langzeitpflege im Sonnenblick

Auf Initiative der beiden FDP-Einwohnerräte Peter Heer (Baden) und Martin Egloff (Wettingen) wurde beschlossen, die Klinik als Aussenstelle des Regionalen Pflegezentrums Baden (RPB) zu betreiben. Sie sollte ein Gemeinschaftswerk der beiden sich damals annähernden Gemeinden werden. Aus dem Konkurs kaufte Wettingen das Land, Baden übernahm das Gebäude.

Die Gemeinden schlossen einen Baurechtsvertrag. Nach einigen Umbauten wurde am 1. Februar 2012 die Pflegeabteilung eröffnet. «Heute wird dort Langzeitpflege für Menschen mit mittlerer bis höchster Pflegebedürftigkeit angeboten. Ebenso werden Menschen in der letzten, palliativen Phase ihres Lebens gepflegt», sagt RPB-Direktor Hans Schwendeler. Darunter sind viele, die nicht mehr sehr mobil sind.

Rund um den Sonnenblick gibt es wenig Möglichkeiten für Spaziergänge oder Rollstuhlfahrten, das Areal ist zu steil, deshalb werden sie regelmässig ins Pflegezentrum in Baden geholt. Von den 50 Betten im Sonnenblick sind 34 in Betrieb. «Ein Stockwerk haben wir stillgelegt», sagt Schwendeler.

Kerngeschäft ist das Pflegezentrum

Bis 2015 war das Regionale Pflegezentrum Baden eine unselbstständige Anstalt der Stadt Baden. An deren Spitze stand eine Kommission, in der auch Wettingen vertreten war. Per 2016 wurde das RPB in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft mit der Stadt Baden als Alleinaktionärin überführt.

Das Haus Sonnenblick blieb bei der Rechtsformänderung im Eigentum des RPB. Mit der Verselbstständigung begann auch die 2014 von den RPB-Gremien erarbeitete Strategie zu greifen. «Wir haben entschieden, unser Kerngeschäft im Pflegezentrum zu zentralisieren», sagt Vizeammann Regula Dell’Anno-Doppler, die zugleich Verwaltungsratspräsidentin ist.

Konsequenterweise sollen auf dem Areal zwischen Wettinger- und Schartenstrasse ein modernes Pflegezentrum und altersgerechte Wohnungen entstehen. «Die Resultate des laufenden Studienauftrages und das Siegerprojekt werden wir Ende Jahr der Öffentlichkeit vorstellen», ergänzt Dell’Anno.

Eignet sich nicht für Langzeitpflege

2022/2023 wird das RPB den Pflegebetrieb im Sonnenblick schliessen. «Der Sonnenblick eignet sich nicht für Langzeitpflege, deshalb suchen wir für das Gebäude eine Lösung», sagt Schwendeler.

Dabei ist die Nutzung des Sonnenblicks durch den Baurechtsvertrag eingeschränkt, er steht in der Zone für öffentliche Bauten und muss als medizinische Einrichtung genutzt werden. «Ein Ambulatorium oder ein Geburtshaus könnte ein gutes Konzept sein», sagt Schwendeler.

In den vergangenen Monaten wurden Gespräche geführt, bisher aber kein valabler Interessent gefunden. «Im schlimmsten Fall müssten wir noch für rund 80 Jahre den Baurechtszins bezahlen.» Dies sei in der Kalkulation berücksichtigt. Der jährliche Baurechtszins liegt bei 17500 Franken.

Wie in seiner Strategie festgelegt, wird das RPB die Aussenstationen Laufenburg, Oeschgen und Zurzach verkaufen. «Wie es mit der Pflegewohngruppe Cherne in Gebenstorf weitergeht, muss die Gemeinde entscheiden», sagt Schwendeler. Diese gehört der Gemeinde und wird in deren Auftrag vom RPB betrieben.