Wettingen
06.09.2017

Die reformierte Kirche ist 500 Jahre alt: Das wird gefeiert

Verena Wanner und Stefan Burkhard organisieren das Jubiläumsfest in Wettingen.

Verena Wanner und Stefan Burkhard organisieren das Jubiläumsfest in Wettingen.

Die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Wettingen-Neuenhof feiert 500 Jahre Reformation.

Barbara Scherer

Für sein Seelenheil bezahlen? Das ging Martin Luther gegen den Strich. Deshalb veröffentlichte der deutsche Theologe und Mönch 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Es gilt als Stichdatum der Reformation: Die reformierte Kirche war geboren. Ein Grund zum Feiern. Auch in Wettingen gedenkt die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde der Reformation.

Samstag und Sonntag verwandelt sich die Kirche in ein kleines Festgelände. Feierliche Gottesdienste, eine Ausstellung der Landeskirche zum Thema Reformation sowie eine Ausstellung zu den 10 Geboten warten auf die Besucher. «Am Sonntagnachmittag wird zudem eine Gutenbergpresse vorgeführt», sagt Verena Wanner, Leiterin des Kirchensekretariats. Denn dank dieser Erfindung konnte Luther seine Schriften massenhaft publizieren und verbreiten.

Auch die kleinen Gäste kommen auf ihre Kosten: Neben einer grossen Hüpfburg kommt ein Falkner vorbei. «Die Falknerei ist ein Kulturgut und wurde auch schon vor 500 Jahren gepflegt», erklärt Wanner. Falken haben damals bei der Jagd geholfen.

Auch darf jedes Kind eine Playmobilfigur des grossen Reformators mit nach Hause nehmen. «Es wird auch ein Lu-therfilm gezeigt», so Wanner. Dieser wird am Samstagabend in der Kirche vorgeführt und läuft den ganzen Sonntag im Kirchgemeindehaus.

«Die Leute können kommen und gehen, wann sie wollen», sagt Wanner und fügt an: «Aber man kann auch den ganzen Tag bleiben. Es wird immer etwas laufen.» Über Mittag wird ein Essen offeriert. «Der Anlass soll aber nicht wie ein Museumsbesuch werden», sagt Stefan Burkhard, Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche Wettingen-Neuenhof. Ziel sei es, einen Tag der Begegnung zu schaffen. «Der christliche Glaube ist und bleibt der kulturelle und geschichtliche Hintergrund unserer Gesellschaft», so Burkhard. So seien auch Nicht-Christen und Konfessionslose zur Feier eingeladen. «Wir sind für Diskussionen offen.» So findet am Samstagabend nach der Filmvorführung eine geführte Diskussion in der Kirche statt.

Ebenfalls vor Ort wird die Katholische Kirchgemeinde sein. Sie offeriert am Samstagabend den Eröffnungsapéro. «Wir feiern die Reformation, doch wir graben keine alten Kriegsbeile aus», so Burkhard. Heute würden die Kirchen ein friedliches ökumenisches Miteinander zelebrieren.

Das war vor 500 Jahren anders: Überall in Europa wurden blutige Reformationskriege geführt. Denn die Reformatoren lösten sich von der katholischen Kirche und dem Papst ab. Auch in der Schweiz kam es zu Auseinandersetzungen.

1529 kam es in Kappel zu einer Konfrontation zwischen den katholischen Innerschweizern und den reformierten Zürchern: Der erste Kappeler Krieg endete aber versöhnlich. Von diesen Ereignissen blieb auch das Kloster Wettingen nicht verschont: Vorübergehend trat das Kloster zum reformierten Glauben über. Doch nur drei Jahre später standen sich die beiden Heere erneut auf dem Schlachtfeld gegenüber. Die Innerschweizer haben den Krieg gewonnen. Dabei wurde der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli getötet.

Das Kloster Wettingen wurde wieder katholisch. Rund 300 Jahre gab es dann in der Aargauer Gemeinde keine reformierten Bewohner. «Erst im Zuge der Industrialisierung zogen Reformierte aus anderen Landesteilen im 19. Jahrhundert nach Wettingen», sagt Burkhard. Seither ist die evangelisch-reformierte Kirche fester Bestand des Dorfes. Burkhard: «Auch wenn heute nicht mehr viele Leute jeden Sonntag in die Kirche gehen: Die kirchliche Verkündigung soll auch weiterhin eine wichtige Stütze im Leben vieler Menschen sein und bleiben oder werden.»

Reformationsjubiläum, Samstag, 9. September, ab 17 Uhr und Sonntag, 10. September, ab 9.30 Uhr.