Spreitenbach
10.10.2018

Jetzt heisst es «Weidmannsheil»: Die Jagd auf Rehe und Füchse ist eröffnet

Jagdaufseher Ruedi Vogel bereitet alles für die grosse Jagd Ende Oktober vor. (Barbara Scherer)Bis zur Jagd fallen Aufgaben wie das Auffüllen von Lecksteinen an.Treue Begleiterin: Hündin Sheila.Unterwegs im Wald.Ruedi Vogel prüft ob alle Hochsitze noch intakt sind.

Jagdaufseher Ruedi Vogel bereitet alles für die grosse Jagd Ende Oktober vor. (Barbara Scherer)

Bis zur Jagd fallen Aufgaben wie das Auffüllen von Lecksteinen an.

Treue Begleiterin: Hündin Sheila.

Unterwegs im Wald.

Ruedi Vogel prüft ob alle Hochsitze noch intakt sind.

Die Jagdsaison im Aargau hat begonnen: Jagdaufseher Ruedi Vogel bereitet im Spreitenbacher Wald alles für die grosse Treibjagd vor.

Barbara Scherer

Die Äste knacken unter seinen Schuhen. Immer wieder muss er Äste aus dem Weg schieben. Vorsichtig geht Ruedi Vogel durch das Dickicht: Salzbeutel in der einen Hand, die Leine von Hündin Sheila in der anderen Hand.

In seiner Jackentasche steckt eine Flasche Wasser: Er ist unterwegs zu einem Leckstein für Rehe. Ruedi Vogel ist seit 1984 Jagdaufseher der Gemeinde Spreitenbach.

Anfang Oktober hat die Jagdsaison im Aargau offiziell begonnen. Bis Ende Dezember wird in den hiesigen Wäldern Jagd auf Rehe und Füchse gemacht. «Wir organisieren eine Treibjagd, dabei werden die Tiere von den sogenannten Treibern mit ihren Hunden aus dem Dickicht getrieben», erklärt Ruedi Vogel.

Auf dieser Jagd sind Hunde mit dabei

Der 69-Jährige war bis vor einigen Jahren selbst ein Treiber. Doch seit er Hüfte und Knie operieren musste, überlässt er diese Aufgabe seinen Jagdkollegen.

«Meine Aufgabe ist die Aufstellung: Ich verteile einen Teil der Jäger für die Treibjagd im Wald.» Während die Treiber die Tiere aus dem Unterholz scheuchen, warten die Jäger an fixen Plätzen im Wald, um das Wild zu erlegen.

Auf dem Heitersberg findet die Jagd jedoch erst Ende Oktober statt. Bis dahin sucht Ruedi Vogel die perfekten Plätze im Wald für die Jäger. «Jetzt erledige ich auch Arbeiten wie Salzsteine auffüllen», sagt Ruedi Vogel, während er vor einem hohlen Baumstrunk Halt macht.

Langsam füllt er das Salz in die Öffnung und spült es mit etwas Wasser in die Tiefe. Mit der Zeit tritt das Salz durch die Baumrinde nach aussen und wird so zu einem Leckstein für die Rehe. «Jetzt sind die Tiere im Fellwechsel, da benötigen sie Salz und Mineralstoffe.»

Bei Blickkontakt: Lass das Tier leben

Nächster Stopp: ein Hochsitz. Auf dem Weg dorthin hält Ruedi Vogel immer wieder bedächtig inne. «Hier kommt ein Jäger hin», sagt er und zeigt in den Wald. Nicht allzu weit weg vom Weg werden die Jäger platziert. Denn gehen sie zu tief in den Wald, vertreiben sie das Wild, bevor die Treiber überhaupt angefangen haben.

«Wichtig ist, dass ein Tier dich nicht sieht, wenn du auf es schiesst», sagt Ruedi Vogel mit ernstem Blick und fügt an: «Ich schiesse nie ein Tier, das mich gesehen hat.» Denn selbst bei einem guten Treffer würden die Tiere noch mit letzter Kraft versuchen davonzurennen. Fällt es also manchmal auch einem Jäger schwer, ein Tier zu erlegen?

«Ich weiss nicht, ich habe als Landwirt gearbeitet und habe schon als Kind mein Sackgeld mit Kaninchenfleisch verdient.» Sein Blick schweift in die Ferne. Oft müsse er auch kranke Tiere oder Rehe, die in Verkehrsunfälle verwickelt waren, an Ort und Stelle erlösen.

Jagd ist reguliert

Kritik am Jagdberuf begegnet Ruedi Vogel gelassen: «Ich versuche, mit den Leuten zu reden», sagt Ruedi Vogel und zuckt mit den Schultern. Der Jagdsitz steht auf einer Anhöhe. Während Hündin Sheila vorauseilt, klettert Ruedi Vogel gemütlich in die Höhe. Mit ein paar gekonnten Handgriffen stellt er sofort fest: Der Hochsitz ist noch intakt.

Die Jagd sei notwendig, um den Wildbestand zu regulieren, denn Rehe und Füchse haben keine natürlichen Feinde in der Schweiz. Allerdings darf pro Jagdrevier nur eine bestimmte Anzahl Tiere im Jahr erlegt werden.

So dürfen in Spreitenbach 36 Rehe geschossen werden. «Wobei die Hälfte davon männliche Tiere sein müssen», sagt Ruedi Vogel und blickt auf die Uhr.

Er muss weiter: Wenn er nicht im Wald unterwegs ist, hilft Ruedi Vogel seinem Sohn und Nachfolger auf dem Bauernbetrieb in Bergdietikon.