Neuenhof
26.07.2017

Er und sein Alphorn reisen um die ganze Welt

Hans Matt (r.) unterrichtet Alphorn an der Limmat unter der Autobahnbrücke. Sibylle Egloff

Hans Matt (r.) unterrichtet Alphorn an der Limmat unter der Autobahnbrücke. Sibylle Egloff

Hans Matt leitet den Neuenhofer Verein Alphorngruppe Reussblick. Mit seinem Alphorn hat der leidenschaftliche Musiker schon viel erlebt.

Sibylle Egloff

Es ist ein warmer Sommerabend. Die letzten Gewitterwolken haben sich verzogen. Ein Fischer wirft seine Angel ins Wasser. Auf der Limmat fährt ein Ruderboot zügig Richtung Spreitenbach. Die Naturidylle wird durchbrochen vom Autoverkehr der A1, die an dieser Stelle über die Limmat führt. Doch ein anderes Geräusch vermag den Autolärm zu übertönen: Alphornklänge. Sie halten aufgrund des Echos unter der Autobahnbrücke sogar noch etwas länger an.

Drei Personen stehen unter der Brücke. Vor ihnen liegen vier Meter lange Alphörner. «Die Zunge darf nicht im Weg sein. Sonst wird es immer schwieriger, wenn man hohe Töne spielen will», sagt Hans Matt. Er leitet den Neuenhofer Verein Alphorngruppe Reussblick. An diesem Abend gibt er Alphornunterricht. Seine Schüler sind Clemens und Andrea Dudli aus Urdorf. Es ist ihre dritte Lektion. «Ihr müsst Chef über eure Zunge sein», sagt Matt. Das Ehepaar folgt seinen Anweisungen. Doch nicht immer treffen die beiden den richtigen Ton. Es brauche viel Übung, so Matt. Er selbst spiele fast jeden Tag ein bis zwei Stunden.

Die Dudlis verfolgen mit dem Alphornunterricht ein bestimmtes Ziel. «Wir wollen ein gemeinsames Hobby haben, wenn wir pensioniert sind», sagt Clemens Dudli. Durch eine Kollegin, die bereits Alphorn spielt, seien sie auf die Idee gekommen, das auch auszuprobieren, sagt seine Frau. Sie sind zufrieden mit ihrem Lehrer. «Die Chemie stimmt. Hans motiviert uns sehr», sagt Andrea Dudli. Er zeige ihnen zudem schöne Plätze, wo man spielen kann und niemanden störe. «Dieser Ort hier ist zum Beispiel super, wenn es regnet. Man ist im Trockenen.»

Matt bringt derzeit sechs Schülern die Kunst des Alphornblasens bei. Der 59-Jährige kam vor 20 Jahren mit dem Blasinstrument in Berührung. «Ich spielte damals schon lange Horn bei der Buuremusig Spreitenbach. Ein Kollege besass ein Alphorn und ich testete es aus.» Es habe ihm den Ärmel reingezogen: Seither ist er beim Alphornblasen geblieben. Heute ist Matt ein gefragter Alphornspieler. Sogar als Juror ist er an Jodlerfesten und Alphornwettkämpfen tätig.

Vor 14 Jahren gründete der Koch gemeinsam mit Urs Hagenbuch und Karl Saxer den Verein Alphorngruppe Reussblick. Heute besteht die Gruppe aus sieben Alphornbläsern und einem Fahnenschwinger. «Der gehört traditionell zum Alphorn dazu», sagt Matt. Jeden Mittwochabend treffen sich die Mitglieder zum Üben. Ihr Können stellte die Gruppe gerade letztens am eidgenössischen Jodlerfest in Brig unter Beweis. «Unsere Mitglieder wurden in Duo-, Trio- Gruppen sowie Einzelvorträgen mit der Höchstnote und der Note gut ausgezeichnet», sagt Matt stolz.

Alphornspielen das ist die grosse Passion des Neuenhofers. «Ich liebe es. Für mich ist es ein Ausgleich zum Alltag. Es hilft mir beim Verarbeiten von Erlebnissen.» Als er noch im Restaurant im Sportzentrum Tägerhard in Wettingen gearbeitet habe, sei es schon vorgekommen, dass er nach der Arbeit im Tägerhardsaal um zwei Uhr nachts noch Alphorn gespielt habe: um abzuschalten.

Auch auf jeder Reise schleppt er das vier Meter lange Instrument mit. «Man kann es gut auseinandernehmen und ins Handgepäck tun», sagt Matt. Seine Frau beschwere sich manchmal, dass er es etwas übertreibe, sagt er und lacht. Da habe sie schon recht. Es sei ein aufwendiges Hobby, für das man viel Zeit, aber auch viel Geld investieren müsse: Ein gutes Alphorn kostet schnell einmal 5000 Franken.

Kurz vor dem 1. August ist Matts Terminkalender prall gefüllt. «Wir haben fünf Auftritte an Bundesfeiern.» Die Alphorngruppe spielt am Nationalfeiertag in Neuenhof, Spreitenbach, Niederwil, Wohlen und im Amphitheater in Windisch. Doch nicht nur das. Die schweizerische Traditionsmusik lässt den zweifachen Grossvater um den ganzen Globus reisen. «Ich werde an diesem Wochenende auf der schweizerischen Botschaft in Kamerun in Yaoundé spielen.»

Mit seinem Instrument war Matt auch schon in Asien unterwegs. «An der Weltausstellung in Kasachstan präsentierte ich das Instrument für Tourismus Schweiz.» Dabei sei weniger das stundenlange Spielen, sondern vielmehr das Posen und Lachen für die Fotos anstrengend gewesen. «Am Schluss schmerzten meine Wangen», sagt Matt und schmunzelt.

Das Alphorn des gebürtigen Beromünster war aber auch schon in Peking an einer Textilmesse oder in Seoul bei der Eröffnung eines Skigebiets. Und auch auf der Chinesischen Mauer hat Matt schon Alphorn geblasen. «Zwei Jahre vor den olympischen Sommerspielen 2008 war ich mit SRF-Korrespondentin Barbara Lüthi auf der Mauer unterwegs», so Matt.

Doch am liebsten spiele er mit seiner Alphorngruppe. Und sein Wissen gibt er gerne weiter. Es erfülle ihn mit Stolz, wenn seine Schüler Fortschritte machten und erfolgreich an Jodelfesten seien. Sein jüngster Schüler ist derzeit sein 2-jähriger Enkel. «Der Kleine konnte noch nicht einmal laufen und hat schon drei, vier Töne auf dem Alphorn geblasen.»