Spreitenbach
10.01.2018

«Ich bin froh, kann ich helfen»

Ayse Bostanci hilft Liza Frei beim Verlassen ihres Hauses mit dem Rollstuhl. Barbara SchererDie beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb gut.

Ayse Bostanci hilft Liza Frei beim Verlassen ihres Hauses mit dem Rollstuhl. Barbara Scherer

Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb gut.

Die Spitex Killwangen-Spreitenbach hat die Freiwilligenarbeit ins Leben gerufen für Aufgaben ausserhalb des Leistungsauftrags.

Barbara Scherer

Noch sitzt Ayse Bostanci im Auto. Ein Blick auf die Uhr: Bald geht es los. Bostanci ist hier, um einer älteren Frau im Rollstuhl beim Verlassen des Hauses zu helfen. Dabei ist Bostanci selbst bereits 75 Jahre alt; doch noch kein bisschen altersmüde. Die rüstige Rentnerin ist eine Helferin der Freiwilligenarbeit der Spitex Killwangen-Spreitenbach.

Mit dem Programm sollen Anliegen der Patienten, die ausserhalb der Aufgabe der Spitex liegen, abgedeckt werden. Dazu gehören soziale Aktivitäten wie Spaziergänge und gemeinsames Spielen, aber auch Dinge wie administrative Unterstützung oder die Betreuung eines kranken Haustieres.

Helfen statt zu Hause bleiben

Über ein Infoschreiben der Spitex wurde Liza Frei auf die Freiwilligenarbeit aufmerksam. Sie sitzt im Rollstuhl und muss in die Rehaklinik. Ihr Mann kann ihr nicht mehr alleine die Treppe hinunterhelfen. Genau hier kommt die Helferin Ayse Bostanci zum Einsatz. «Ich bin froh, kann ich helfen. Zu Hause rumsitzen und nichts tun bringt ja auch nichts», sagt Bostanci und schmunzelt.

Die zierliche Frau setzt sich gerne für die Schwächsten der Gesellschaft ein. «Und wer weiss, vielleicht brauche ich selber einmal Hilfe, dann bin ich froh, gibt es so etwas.» Für Bostanci ist es der erste Auftrag im Namen der Freiwilligenarbeit. Doch die ehemalige Informatikerin kümmert sich seit einiger Zeit bereits anderweitig um eine ältere Frau.

Nach einer herzlichen Begrüssung ist das Eis gebrochen. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb gut und haben keine Berührungsängste: «Sie sehen aber nicht so stark aus», sagt Liza Frei in einem neckischen Ton. «Ach was, der Schein trügt», entgegnet Bostanci schlagfertig. Dann geht es los; die Treppe runter und ins Auto: ein kurzer Einsatz für Bostanci. Trotzdem: Sie hat sich gerne Zeit genommen. «Ich bin noch so fit und ich möchte der Gesellschaft mit solchen Einsätzen etwas zurückgeben.»

Weitere Helfer gesucht

Noch befindet sich die Freiwilligenarbeit in den Kinderschuhen. Seit November ist das Programm richtig angelaufen. «Wir mussten Bedingungen für die Einsatz- und Leistungsvereinbarungen klären und die Versicherungen für die Freiwilligen abschliessen», erklärt Spitex-Vorstandsmitglied Heidi Fausch. Zusammen mit ihrer Vorstandskollegin Brigitta Kaspar Lade organisiert sie die Freiwilligenarbeit.

Bereits haben sich einige Helfer gemeldet. «Bisher aber nur Frauen, die Hälfte im Pensionsalter. Wir hoffen, es melden sich auch noch jüngere und männliche Helfer bei uns», so Fausch. Denn es sei manchmal auch «Körpereinsatz» gefragt. «Und Neinsagen ist jederzeit möglich.»

Die Helfer können, bei Bedarf, über die Freiwilligenarbeit auch Weiterbildungen absolvieren. Anfallende Kosten dafür werden über ein Spendenkonto gedeckt. Anfallende Spesen während eines Einsatzes werden von den Hilfebezügern direkt an die Helfer bezahlt.

 

Interessierte können sich bei hfausch@musiktherapie-fausch.ch melden.

Spenden an: Spitex-Verein, Freiwilligenarbeit CH86 8074 7000 0009 4221.