Würenlos
09.08.2018

Vom Krieg ins Büro: Wie aus einem Fotografen ein Sozialarbeiter wurde

Christoph Hammer <em>hat Theologie studiert, war Kriegsfotograf und ist schliesslich als Sozialarbeiter glücklich geworden. Barbara Scherer</em>

Christoph Hammer hat Theologie studiert, war Kriegsfotograf und ist schliesslich als Sozialarbeiter glücklich geworden. Barbara Scherer

Christoph Hammer tritt nach 18 Jahren als Sozialarbeiter bei der Jugend- und Familienberatung in den Ruhestand.

Barbara Scherer

Noch hängt das Schild mit seinem Namen vor der Tür der Jugend- und Familienberatung. Es ist Mitte Juli, doch Christoph Hammer hat sein altes Büro bereits seiner Nachfolgerin überlassen. Im Raum nebenan hat sich der 63-Jährige eingerichtet.

Ende Juli ist der Sozialarbeiter nach 18 Jahren in den Ruhestand getreten. «Ich glaube, es ist an der Zeit für jemand neues», sagt Christoph Hammer und setzt sich hinter den grossen Schreibtisch.

Er wolle sich nun auch wieder mehr Zeit nehmen für seine grosse Leidenschaft: Fotografieren. Denn zur Sozialarbeit fand der gebürtige Aargauer erst Mitte vierzig. Aufgewachsen in Siggenthal und Baden, studierte Christoph Hammer nach der Schule Theologie.

Neugierde trieb ihn an

Geprägt von der 68er-Generation habe ihn die Frage nach dem Sinn des Lebens zu diesem Studium getrieben. «Mich hat diese Zeit sicherlich tief geprägt; ich war immer neugierig und interessiert.» Hammer faltet die Hände hinter dem kahlrasierten Kopf und dreht den Bürostuhl hin und her.

So trieb die Neugierde Christoph Hammer nach dem Studium weiter. Statt einen Kirchenberuf auszuüben arbeitete Hammer überall, wo er Geld verdienen konnte: Er fuhr Hubstapler, arbeitete in einer Eisenfabrik und landete schliesslich in einem Grossunternehmen, wo er die Ausbildung zum Diplomkaufmann machte. Doch dabei blieb es nicht: Christoph Hammer wechselte in die Werbebranche, um als Artdirector zu arbeiten.

«Ich war dann viele Jahre Kunde bei einem bekannten Modefotografen, bis ich schliesslich merkte, dass ich selber gerne fotografieren lernen möchte», sagt Hammer und lächelt. Er sei eben auch ein kreativer Mensch. So kam es, dass der studierte Theologe schliesslich zum Assistenten eines Modefotografen wurde.

Für Fotos fuhr er in den Krieg

Immer wieder neu anfangen und sich unterordnen, das hat Christoph Hammer dabei nie etwas ausgemacht. «Immer etwas Neues lernen, das ist für mich ein grosses Privileg.» So wurde Hammer schliesslich selbst zum Fotografen.

Er begann für Hilfsorganisationen zu arbeiten. Für Fotoreportagen reiste er in der ganzen Welt umher und wagte sich dabei auch in allerlei Kriegsgebiete.

Nachdenklich fährt sich Christoph Hammer mit der Hand über das Kinn. Intensiv und belastend sei diese Zeit schon gewesen. Zu Hause bei seiner Frau war er in dieser Zeit immer weniger.

«Das alles hat mich schliesslich dazu bewogen, mich noch einmal umzuorientieren.» So kam es dazu, dass Christoph Hammer Sozialearbeit studierte. Denn Menschen haben ihn immer interessiert.

Der Zufall verschlug ihn nach Würenlos

Nach Würenlos hat es Christoph Hammer per Zufall verschlagen. «Ich habe mich als Aushilfe beworben und die Stelle gleich bekommen.» Aus der temporären Stelle wurde schliesslich eine Festanstellung.

Die Gemeinde habe ihm sofort zugesagt. «Hier habe ich stets grosse Unterstützung von der ganzen Gemeindeverwaltung erfahren.»

So hat sich Hammer in der Jugend- und Familienberatung stets um Menschen aus der Gemeinde gekümmert, die mit unterschiedlichsten Problemen zu ihm kamen.

«Der Job umfasst von Eheberatung über Fragen zum Gesetz bis hin zu Kindererziehungsproblemen eigentlich alles», erklärt Hammer. Im Zentrum stehe die Zusammenarbeit mit Menschen. Eine anstrengende aber stets interessante Arbeit.

Probleme relativieren, das geht, aber nicht immer

Die Jahre als Kriegsfotograf haben Christoph Hammer dabei sicherlich geprägt: Viele Probleme könne er relativieren. Und doch – wenn Kinder physisch oder psychisch leiden müssen, schmerze ihn das bis heute immer sehr. «Das ist immer hart, wenn die Schwächsten unserer Gesellschaft leiden müssen.»

Aber er habe in seinen Jahren auf der Jugend- und Familienberatung auch viele gute Erlebnisse gehabt. Hammer: «Das Schönste war stets, wenn ich in Zusammenarbeit mit Menschen helfen und eine Lösung erarbeiten konnte.»